Familienstudien zur Erblichkeit von Depressionen
Die familiäre Häufung des Auftretens depressiver Erkrankungen ist heute breit belegt:
Verwandte Depressiver (Eltern oder Geschwister)haben ein bis zu drei- bis fünffach erhöhtes Erkrankungsrisiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung, je nach Studie. Dieses Risiko besteht für Verwandte von Betroffenen mit unipolaren und bipolaren Depressionen. Leidet ein Familienmitglied an einer bipolaren Erkrankung, so ist das Risiko für eine depressive Erkrankung (unipolar und bipolar) bei Verwandten ersten und zweiten Grades erhöht. Die familiäre Häufung scheint laut aktueller Forschung bei bipolaren Erkrankungen deutlich höher zu sein als bei unipolaren Depressionen. Bei einer unipolaren Depression liegt ein erhöhtes Risiko auch insbesondere für eine unipolare Depression bei den Familienangehörigen vor. Sind beide Elternteile betroffen, steigt das Risiko für eine Depression des Kindes besonders an.
Zwillingsstudien zur Erblichkeit von Depressionen
Neben Familienstudien zeigen auch Zwillingsstudien die Rolle familiärer Häufungen depressiver Störungen auf. Studien zeigten bei eineiigen Zwillingen sogar, dass je nach Studie teils in der Hälfte der beobachteten Fälle beide Zwillinge von einer Depression betroffen waren. Dies kann auf eine genetische Komponente von Depressionen hinweisen, wobei stets weitere Faktoren bei der Entstehung von Depressionen relevant sind.
Neurobiologische und psychosoziale Ursachen und Risikofaktoren von Depressionen
Der Ursachenforschung nach entstehen Depressionen multifaktoriell. Dabei wird von einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren wie z.B. einer familiären Prädisposition („Veranlagung“) und Umweltfaktoren ausgegangen, wobei auch neurobiologische, biographische und soziale Faktoren Einfluss nehmen können.
- Als ein Erklärungsansatz kann das Vulnerabilitäts-Stress-Modell für die Entstehung von Depressionen herangezogen werden. Demnach kommt es durch den Einfluss aktueller oder chronischer Belastungen und weiterer Faktoren vor dem Hintergrund einer Prädisposition bzw. Vulnerabilität der/des Betroffenen zu einer depressiven Erkrankung. Aufgrund der hohen Anzahl von Vulnerabilitäts- und Risikofaktoren möglicher Wechselwirkungen, bleibt häufig offen, welche der Faktoren letztlich als Auslöser fungieren.
- Depressionen stehen mit bestimmten neurobiologischen Faktoren in Zusammenhang, welche das Erkrankungs- oder Rückfallrisiko erhöhen können. Im Mittelpunkt stehen dabei Abweichungen der Botenstoffsysteme zwischen den Nervenzellen im Gehirn. Zunächst wurde der Botenstoff Serotonin lange Zeit als einzig wichtiger Determinant einer Depression vermutet. Mittlerweile geht man davon aus, dass auch Veränderungen anderer Botenstoffe wie Noradrenalin und Dopamin im Gehirn in vielen Fällen eine wichtige Determinante der Depression sind. Antidepressiva setzen an dieser Stelle an, indem sie den Stoffwechsel im Gehirn mehr ins Gleichgewicht bringen.
- Auch hormonelle Veränderungen können Einfluss auf die Ausbildung einer Depression haben. Besonders Frauen sind in Zeiten mit großen Hormonschwankungen anfälliger für eine Depression, sodass es beispielsweise nach der Geburt eines Kindes zu einer Wochenbettdepression kommen kann. Generell kann auch eine dauerhafte Ausschüttung von Stresshormonen (z.B. Cortisol) zu seelischen und körperlichen Symptomen und Erkrankungen beitragen.
- Auch ungünstige Umweltbedingungen können Einfluss auf die Entstehung von Depressionen nehmen. So können beispielsweise ungünstige zwischenmenschliche Interaktionsstile das Risiko für depressive Erkrankungen und andere psychische Störungen erhöhen. Auch Menschen, die Traumata (z.B. Misshandlung oder Missbrauch) erfahren haben, weisen häufig Depressionen auf. Soziale Faktoren wie Arbeitslosigkeit und Partnerschaftsprobleme können ebenfalls an der Entstehung oder Aufrechterhaltung einer Depression beteiligt sein.
Theoretische Modelle der Psychologie zur Ätiologie von Depressionen
In der Psychologie wird die Entstehung einer Depression unter anderem durch lerntheoretische und kognitive Modelle erklärt. Prominente Theorien sind folgende:
- Verstärker-Verlust-Theorie im Zusammenhang mit Depressionen: Durch einen Mangel an positiven Verstärkungen wie Sozialkontakten, Tode eines Angehörigen etc. kann es zu einer Verschlechterung des Wohlbefindens und zu negativen Affekten (z.B. Niedergeschlagenheit und Resignation) kommen. Dies kann Einfluss auf die Entstehung und Aufrechterhaltung einer depressiven Erkrankung sein. Häufig entsteht ein Kreislauf, da dann durch die Symptomatik der Depression, wie ein Rückzugsverhalten, weitere Verstärker eingebüßt werden können.
- Kognitive Theorie im Zusammenhang mit Depressionen: 4. Durch verschiedene Formen von dysfunktionalen Kognitionen und deren Beziehungen können Depressionen entwickelt werden. Es kann zu pessimistische Ansichten von sich selbst, der Umwelt und der Zukunft (sog. „Kognitive Triade“) kommen. Diese negativen Schemata gehen häufig mit kognitiven Verzerrungen einher, die in einer Depression münden können oder eine bestehende aufrechterhalten.
- Theorie der gelernten Hilflosigkeit im Zusammenhang mit Depressionen: Durch wiederholte Erfahrungen von mangelnder Kontrolle über unangenehm erlebte Situationen, kann es zu einer sogenannten „Erlernten Hilflosigkeit“ kommen. Betroffenen haben „erlernt“, dass selbst nicht handlungsfähig zu sein und kein Einfluss auf ihr Leben nehmen zu können. Dies führt dazu, dass negative Ereignisse für Betroffene als unkontrollierbar und unveränderlich angesehen werden und sie sich diesem hingeben. Erlernte Hilflosigkeit kann zu einer Depression führen.
Behandlung von Depressionen
Das öffentliche Bewusstsein für psychische Erkrankungen hat sich in den vergangenen Jahren zugunsten einer aufgeklärteren Sichtweise verändert. Dies gilt auch bei Depressionen. Seelische Probleme und psychische Beschwerden können professionell behandelt werden. Während man noch bis vor wenigen Jahren von „Heilung“ gesprochen hat, bevorzugt die moderne Psychiatrie heute die Begriffe „Remission“ (weitgehender Rückgang von Symptomen über einen längeren Zeitraum) und „Recovery“ (Symptomfreie „Genesung“ mit einer Normalisierung des Neuerkrankungsrisikos). Den meisten Menschen, die unter einer Depression leiden, kann durch eine professionelle Behandlung geholfen werden. Mit einer individuellen, störungsspezifischen Therapie können depressive Episoden häufig sehr gut behandelt werden.
Eine Möglichkeit zur Behandlung von Depressionen stellt die Psychotherapie dar. Dies kann beispielsweise eine Kognitive Verhaltenstherapie, eine Interpersonelle Psychotherapie oder eine Tiefenpsychologische Behandlung sein. Für diese Verfahren liegen zahlreiche Wirksamkeitsnachweise vor, doch auch für weitere Psychotherapien gibt es Belege für Therapieerfolge bei Depressionen. Eine Psychotherapie ist bei verschiedenen Schweregraden einer Depression möglich. Insbesondere bei mittelgradigen oder schweren Depressionen werden häufig zusätzlich Psychopharmaka, genauer gesagt Antidepressiva, eingesetzt. Auch der Einsatz ergänzender Fachtherapien (z.B. Ergotherapie) ist möglich.
Therapie bei Depressionen in den Oberberg Fachkliniken
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In den Oberberg Kliniken für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie unterstützen wir Menschen in schweren seelischen Krisensituationen mit effizienten Behandlungskonzepten. Dabei glauben wir fest an das Zusammenwirken von Menschlichkeit, Verbundenheit und Evidenz in einer erstklassigen Umgebung, die von einer herzlichen Atmosphäre aus Achtsamkeit, Zugewandtheit, Respekt und gegenseitigem Vertrauen geprägt ist.
Bei Oberberg stehen wir stehen für einen offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen ein. In vielen Patientengesprächen und mit Angehörigen hat sich immer wieder gezeigt, dass der offene Umgang eine Therapie unterstützt. Der häufig vorherrschende Fokus auf Symptome, Beschwerden und Defizite wird in den Oberberg Kliniken durch einen ganzheitlichen Ansatz mit Blick auf supportive Faktoren (Unterstützung), Ressourcen (Fähigkeiten, „gesunde Anteile“) und insbesondere die individuelle Resilienz („Widerstandsfähigkeit“, „Stressresistenz“) ergänzt.
In unseren Fachkliniken gibt es viele verschiedene erfolgreiche Psychotherapie-Ansätze zur Behandlung von Depressionen. Jede Psychotherapie erfordert ein gewisses Maß an Mitwirkung, Geduld und Durchhaltevermögen. Mit Ihrem Therapeuten-Team können Sie bei Oberberg immer ausführlich besprechen, welches individuelle evidenzbasierte Behandlungskonzept für Sie den größten Therapieerfolg ihrer Depression oder anderen Erkrankung verspricht. Dabei können viele Fachtherapien und Zusatzangebot ausgewählt werden. Hier erfahren Sie mehr über unsere Therapien.
F.A.Q. zu Depressionen
Welche Symptome hat eine unipolare Depression?
Nach dem ICD-10, einem internationalen Krankheitsklassifikationssystem, hat eine depressive Episode folgende Hauptsymptome: Erstens, eine depressive, gedrückte Stimmung mit einem für den/die Betroffene/n ungewöhnlichen Ausmaß. Diese liegt über die meiste Zeit des Tages sowie beinahe jeden Tag vor. Sie ist im Wesentlichen unbeeinflusst von Umständen. Zweitens eine Interessen- oder Freudlosigkeit und drittens eine Störung des Antriebs oder erhöhte Ermüdbarkeit. Nebensymptome einer Depression können beispielsweise Selbstvorwürfe oder Schuldgefühle und Schlafstörungen sein. Die Symptomatik tritt über mindestens zwei Wochen auf.
Welche Symptome hat eine bipolare Erkrankung?
Bei einer bipolar-affektiven Störung treten häufig auch depressive Episoden auf. Zusätzlich zu diesen kommen jedoch mindestens eine oder mehrere sogenannte manische oder hypomanische Phasen vor. Eine Manie zeigt sich, nach ICD-10, durch folgende Hauptsymptomatik: Unangemessen gehobene Stimmung, häufig mit sorgloser Heiterkeit oder auch schwerkontrollierbarer Gereiztheit bzw. Erregung, häufig begleitet von stark gesteigertem Antrieb, vermindertem Schlafbedürfnis und riskanten Verhaltensweisen. Die Symptomatik besteht über mindestens 1 Woche. Zusätzliche Symptome können ein starker Rededrang und ein Verlust von sozialen Hemmungen sein.
Wie werden Depressionen behandelt?
Eine Behandlungsmöglichkeit von Depressionen ist die Psychotherapie. Bei Depressionen wird häufig eine Kognitive Verhaltenstherapie, eine Interpersonelle Psychotherapie oder eine Tiefenpsychologische Behandlung als Psychotherapie angewendet, da zahlreiche Wirksamkeitsnachweise dieser Methoden bei Depressionen vorhanden sind. Auch weitere Psychotherapien sind mit Therapieerfolgen bei Depressionen belegt. Insbesondere bei mittelgradigen oder schweren Depressionen werden häufig zusätzlich Medikamente, genauer gesagt Antidepressiva, eingesetzt. Fachtherapien wie eine Ergotherapie können ergänzend in das Therapieprogramm von Depressionen aufgenommen werden.
Sind Depressionen vererbbar?
Wissenschaftlich gut belegt sind familiäre Häufungen des Auftretens depressiver Erkrankungen. Verwandte von Betroffenen mit Depressionen haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Dies kann auf eine genetische Komponente von Depressionen hinweisen, wobei stets weitere Faktoren bei der Entstehung von Depressionen relevant sind, wie Umweltfaktoren, Interaktionsstile, Lebensereignisse, neurobiologische Vorgänge und weiteres. Die Entstehung von Depressionen wird somit als multifaktoriell vermutet und sollte nicht auf eine Vererbung von Depressionen reduziert werden.